Karikatur zeichnen lernen – eine kurze Anleitung Teil 1

Die charakteristischen Züge

Crash Course Karikaturzeichnen von
Xi Ding

Wie zeichnet man eine Karikatur?

Jedes Gesicht hat seine Eigenschaften, von welchen der Wiedererkennungswert abhängt. Aber welche Eigenschaften zählen? Es gibt nämlich eine Menge davon. Zum Beispiel die Form und Größe der Augen, der Abstand zw. den beiden Augen, der Abstand zw. Augen und Mund, die Form des Kopfes, die Form des Kiefers…

Wenn man ein Gesicht sieht, erarbeitet sein Gehirn automatisch und blitzschnell, aber nur in Unterbewusstsein die Eigenschaften und gibt das Resultat deinem Bewusstsein weiter. Das Resultat ist ein Gefühl,  ob das Gesicht bekannt ist oder wer die Person ist. Dabei muss man überhaupt nicht nachdenken.

Wenn man eine Karikatur zeichnen will, muss man  das unbewusste Prozess der Gesichtserkennung  bewusst machen, um die relevanten Eigenschaften, sprich Gesichtszüge, explizit zu erkennen. Es gibt jedoch keinen direkten Zugang zum Unterbewusstsein.

Aus der wissenschaftlichen Forschungen wissen wir dass die Arbeitsweise des Gehirns auf einer hierarchischen Struktur basiert ist.  Künstler haben auch längst eine Methode entdeckt, mit welcher man Karikaturen zeichnet. Es ist kein Wunder dass diese Methode die hierarchische Arbeitsweise des Gehirns wiederspiegelt.

Die Methode ist nämlich, ein Gesicht IMMER in folgenden Schritten, welche eine Hierarchie von grob zu detailliert darstellt, zu betrachten bzw. zu zeichnen.

  • Schritt 1: die grundlegenden geometrischen Züge, und zwar die Form des ganzen Kopfes
  • Schritt 2: die proportionelle Verteilung der Gesichtsteile, wie z.B.
    Auge-Auge-Abstand
    Auge-Mund-Abstand
    ….
  • Schritt 3, die Grundformen der einzelnen Gesichtsteile.
  • Schritt 4, weiter auf der Hierarchie steigend kommen noch mehr Details ins Spiel, wie z.B. die Form des Nasenflügels, Die Form des inneren Augenwinkels, usw.

Wenn man ein Gesicht auf dieser Art und Weise zu sehen lernt, erreicht man schon die Hälfte. Für die andere Hälfte braucht man die Zeichnerische Fähigkeit, mit der man die Beobachtungen unbehindert umsetzen kann.

Wenn man die Gesichtszüge den Schritten nach naturgetreu abbildet, bekommt man lediglich ein Portrait. Wenn man die Gesichtszüge den Schritten nach übertreibt (das Übertreiben/Überzeichnen wird im Teil 2 des Tutoriums behandelt), bekommt man eine Karikatur. Wenn man die Gesichtszüge übertreibt aber ohne den Schritten zu folgen, bekommt man ein verzerrtes Gesicht, das keinen hohen Wiedererkennungswert mehr hat.

Das Sehen ist auf keinem Fall so leicht wie man oft denkt. Es geht dabei eigentlich um das Überwinden der natürlichen Tendenz, den Wald (große Forme) vor lauten Bäumen (detaillierte Formen) nicht zu sehen.  Die erste zwei Schritte in der Hierarchie (große Forme und Proportionen) sind mindest so wichtig wie die andere (detaillierte Formen). Man darf bloß nicht voreilig zu den Details springen, auch wenn die Versuchung oft sehr groß ist.

In den Demonstration unterhalb habe ich die Umsetzung dieser Methodologie anhand von drei Prominentenkarikaturen aufgezeigt.

Wenn ich live Gesichter karikiere, wende ich jedes mal die hier beschriebene Methodologie zur Beobachtung an. Hier kann man meine live-Karikaturen anschauen.

Der Karikaturist Xi tritt als Live Zeichner in verschiedenen Ländern auf, inklusiv Deutschland, Österreich, Schweiz.

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